Autismus

"Die Fragen eines Kindes sind schwerer zu beantworten als die Fragen eines Wissenschaftlers."
Alice Miller

Was sind Autismus-Spektrum-Störungen?

Autismus-Spektrum-Störungen sind angeborene tiefgreifende Entwicklungsstörungen, die in den ersten Lebensjahren auftreten und durch eine Bandbreite an Symptomen, die sich auf weite Bereiche der kindlichen Entwicklung auswirken, charakterisiert sind. Das Erscheinungsbild der Symptome kann dabei von massiven Beeinträchtigungen bis hin zu geringfügigen Auffälligkeiten reichen.

Autismus-Spektrum-Störungen werden vor allem als Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungsstörungen angesehen, die sich durch Beeinträchtigungen in folgenden Hauptbereichen zeigen:

  • Soziale Interaktion
    Verständnis, Aufnahme und Aufrechterhaltung von sozialen Beziehungen und sozialer Interaktion
  • Kommunikation und Sprache
    Verstehen und Anwenden verbaler und non-verbaler Kommunikation in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie sprachliche Besonderheiten
  • Eingeschränkte, spezielle Interessen, Aktivitäten und Verhaltensweisen:
    in ihrer Form gleichförmig wiederkehrend (stereotyp und repetitiv)

Was sind Hinweise für das Vorliegen einer Autismus-Spektrum-Störung?

Erst eine Vielzahl an Symptomen aus den oben genannten Bereichen kann zur Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung führen. Dabei sind das Vorliegen und die Ausprägung der Symptome individuell unterschiedlich und müssen nicht zwangsläufig alle bei jedem Kind vorkommen.

Folgende Auffälligkeiten können Hinweise für das Vorliegen einer Autismus-Spektrum-Störung sein:

1. SOZIALE INTERAKTION

  • Reduzierter Blickkontakt
  • Keine Reaktion auf Rufen des Namens
  • Kein Zeigen auf Gegenstände oder Personen
  • Kein Teilen von gemeinsamer Freude
  • Kaum bzw. wenig Interesse an Gleichaltrigen

 

2. KOMMUNIKATION UND SPRACHE

  • Verzögerte Sprachentwicklung: keine Wörter mit 16 Monaten, keine Zwei-Wort-Sätze mit 24 Monaten
  • Wiederholen von Gesagtem (Echolalie)
  • Erfinden von Worten (Neologismen)
  • Eingeschränkte Mimik und Gestik

 

3. EINGESCHRÄNKTE, GLEICHFÖRMIG WIEDERKEHRENDE, SPEZIELLE INTERESSEN

  • Auffälliges Spielverhalten: keine Phantasierollenspiele, Aufreihen von Spielsachen, Fixierung auf Teile des Spielmaterials (z.B. sich drehende Räder), immer gleiche Spielabläufe
  • Intensive Beschäftigung mit einem Thema (spezielles Interesse), zu dem auffallend viel Wissen „angesammelt“ wird

 

4. WAHRNEHMUNGSBESONDERHEITEN

  • Repetitive (sich gleichförmig wiederholende) Bewegungen, wie z.B. Handwedeln, Schaukeln mit dem Oberkörper, um sich selbst drehen
  • Besonders intensives Interesse an sensorischen Reizen, wie z.B. sich drehenden Objekten (Waschmaschine, Räder, etc.), Licht, Geräuschen, intensives Befühlen und/oder Belecken von Gegenständen und Oberflächen
  • Über- oder Unterempfindlichkeit gegenüber bestimmten Reizen, wie z.B. Lärm, Kälte, Hunger- und Durstgefühl, bei bestimmten Materialien (z.B. Kleidung)
  • Festhalten an gewohnten Abläufen und Routinen und ungewöhnlich starke Reaktionen auf Veränderungen, wie z.B. im Tagesablauf, bei Wegstrecken, bei Handlungsabläufen
  • Unerklärliche, heftige Wutausbrüche und Weinkrämpfe

 

Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen

Die klinisch-psychologische Diagnostik von Autismus-Spektrum-Störungen umfasst

  • Erhebung der bisherigen kindlichen Entwicklungsgeschichte
  • Erhebung autismusspezifischer Symptome mittels Elterninterview (ADI-R; Autismus Diagnostisches Interview Revidiert)
  • Anwendung standardisierter, autismusspezifischer Beobachtungsverfahren (ADOS-2; Beobachtungsskala für autistische Störungen)
  • Intelligenz-/Entwicklungsstandfeststellung

Am Beginn der Diagnostik steht ein ausführliches Erstgespräch, bei dem wir Sie, Ihr Kind sowie die bisherige Entwicklungsgeschichte Ihres Kindes kennen lernen wollen, mit dem Ziel ein umfassendes Bild zu erlangen. Dabei klären wir gemeinsam mit Ihnen den weiteren (diagnostischen) Prozess und besprechen mit Ihnen alle weiteren Teilschritte.

In den folgenden Terminen der klinisch-psychologischen Diagnostik lernen wir Ihr Kind kennen. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, dass sich Ihr Kind bei uns wohlfühlt und Vertrauen fassen kann! Wir nehmen uns Zeit, um der Individualität des Kindes gerecht zu werden und um jedem Kind die Chance zu geben in seinem Tempo die an ihn gestellten Aufgaben zu bewältigen. Dies ist unter anderem von der Persönlichkeit des Kindes, seiner Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit, seiner Arbeitshaltung, seiner emotionalen Befindlichkeit und dem allgemeinen Entwicklungsstand abhängig.

In der Regel sind für eine fundierte Diagnostik (mit dem Kind) 3-4 Termine zu je ca. 60-90 Minuten erforderlich; die Anzahl und Dauer der Termine können variieren und werden im Laufe des diagnostischen Prozesses – wenn wir Ihr Kind kennen gelernt haben - abgeschätzt.

Im Rahmen eines Befundgespräches besprechen wir mit Ihnen die Erkenntnisse aus dem diagnostischen Prozess sowie weitere Empfehlungen und erstellen einen individuellen Behandlungsplan. Die Ergebnisse fassen wir in einem schriftlichen klinisch-psychologischen Befund für Sie zusammen.

 

Für den oben dargestellten diagnostischen Prozess verrechnen wir pauschal € 560,-.